Allgemein, Beschäftigung

Wieviel Beschäftigung braucht ein Hund wirklich?

Nach­dem ich mich gestern gefragt habe, ob ich meine Hunde über­fordern würde, möchte ich mich heute etwas wis­senschaftlich­er mit dem The­ma auseinan­der­set­zen.

Dass Hunde beschäftigt wer­den wollen, ist uns allen klar.

Doch wieviel Beschäf­ti­gung braucht ein Hund eigentlich wirk­lich? Was ist zu wenig und ab wann kann man von Über­forderung sprechen?

Zunächst ein­mal sehe ich einen starken Zusam­men­hang zwis­chen den eige­nen Erwartun­gen an den Hund und ein­er möglichen Über­forderung seines Tieres.

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Daher habe ich mich als erstes gefragt, welche Erwartungen habe ich eigentlich an Queen (und mit zunehmendem Alter auch an Püppi)?

Queen muss mich in meinem gesamten All­t­ag begleit­en. Schon mor­gens fährt sie mit ins Büro. Dort bekommt sie zwar ihre Ruhep­hasen. Doch momen­tan wer­den diese immer wieder durch Püp­pi unter­brochen, die entwed­er raus muss oder spie­len will.

Sind wir unter­wegs, so erwarte ich von ihr, dass ich mich auf sie ver­lassen kann. Das bedeutet, dass sie abruf­bar ist und sich nicht allzu weit von mir ent­fer­nt. Ich brauche einen Hund, den ich über­all mit hin­nehmen kann. Der sich in einem Restau­rant ruhig ver­hält, der an belebten Straßen entspan­nt und lock­er neben mir her­laufen kann. Ich muss sie auch mal für wenige Minuten im Auto lassen kön­nen, weil ich auf dem Weg noch eine Besorgung machen muss.

In der Woh­nung möchte ich, dass sie entspan­nen kann. Ich will nicht, dass sie dort anfängt zu toben. Schon alleine deshalb, weil ich Angst habe, sie könne sich ver­let­zen, wenn sie wie eine Irre über die Fliesen rutscht. Bei Püp­pi sieht das etwas anders aus, weil die kleine Maus auch mal um die Eck­en flitzen kann, ohne gle­ich an den Tür­rah­men zu stoßen. Wenn Queen durch den Flur renne und brem­sen würde, würde sie zwangsläu­fig vor irgen­deine Tür rutschen.

Ich brauche einen Hund, der auch mal für 2 bis 3 Stun­den entspan­nt alleine zuhause bleiben kann und nichts kaputt macht.

Auf­grund meines unregelmäßi­gen Tages­ry­th­mus kann ich nicht garantieren, immer um zum Beispiel Punkt 18 Uhr raus­ge­hen zu kön­nen. Auch hier muss mein Hund flex­i­bel sein und auch mal eine Stunde später raus­ge­hen kön­nen. Auch den Ort der Runde kann ich nicht immer garantieren. Manch­mal müssen wir unter­wegs an einem unbekan­nten Wald­stück anhal­ten und dort spazieren gehen.

Zusammengefasst brauche ich also einen ruhigen und ausgeglichenen Hund, der anpassungsfähig ist und mich überall hin begleiten kann.

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Manch ein­er würde alleine diese Über­legun­gen als “hohe Ansprüche” beze­ich­nen.

Hinzu kommt, dass ich ständig das Gefühl habe, meine Hunde kämen zu kurz. Seit Püp­pi da ist, habe ich noch mehr den Ein­druck, ich müsse Queen mehr beschäfti­gen.

Alle zwei Wochen geht Queen zu Physio. Ein­mal die Woche geht Püp­pi in die Welpen­stunde. Immer Mittwochs fahren wir in die Heimat und haben dort meist volles Pro­gramm. Sobald Püp­pi etwas älter ist und auch mal für eine Stunde alleine bleiben kann, möchte ich ger­nen einen Kurs zum The­ma Nase­nar­beit mit Queen machen. Sollte Püp­pi alt genug sein, würd ich am lieb­sten mit ihr zum Agili­ty gehen.

Püp­pi will viel spie­len und muss auch noch viel ler­nen. Daher ver­suche ich Queen mit Such- und Apportier­spie­len gerecht zu wer­den. Fast auf jed­er Runde passiert etwas: Such­spiele, Apportieren, Fährten, Tricks, Dog­danc­ing…

Irgend­was fällt mir immer ein um Queen auszu­las­ten.

Doch wieviel Beschäftigung braucht ein Hund? Ist das vielleicht zu viel des Gutes?

Pauschal kann man hier sich­er keine genaue Anzahl an Stun­den oder genaue Anzahl an Minuten für die Kop­far­beit nen­nen. Jed­er Hund ist unter­schiedlich.

Den­noch es gibt Anhalt­spunk­te, die auf Stress und Über­forderung hin­deuten.

Gestresste Hunde sind unruhig und nervös, sie hecheln viel und reagieren extrem auf Umwel­treize. Einen aus­führlichen Artikel zum The­ma “Stress beim Hund” kön­nt ihr hier find­en.

Außerdem gitb es eine Art Faustregel für die Gassi — Zeit.

Leichte, große Hunde brauchen min­destens ein­mal am Tag eine halbe Stunde stür­mis­ches Spiel, aufre­gen­des Schwim­men oder fordern­den Sport plus min­destens drei entspan­nte Gas­sirun­den nicht unter 20 Minuten. Schwere große und kleine Hunde bevorzu­gen kurze Run­den von bis zu 30 Minuten, drei bis vier­mal am Tag und brauchen zudem kör­per­liche Aus­las­tung oder Kop­far­beit.

Es gibt sicher­lich Abwe­ichun­gen von dieser Faus­regel. Den­noch kann sie als erster Anhalt­spunkt weit­er helfen.

Die Mischung macht’s.

Eine gute Mis­chung ist das Beste. Nicht nur ein­fache Spaziergänge, aber nicht nur fordernde Run­den voller Kom­man­dos und Auf­gaben. Den Hund auch mal Hund sein lassen, ist nicht nur ein gut gemein­ter Spruch, son­dern ein oft richtiger Ratschlag.

Ich habe fest­gestellt, dass Queen völ­lig zufrieden ist, wenn sie 15 Minuten lang Such­spiele machen kann. 10 Minuten spie­len reichen ihr eben­falls aus. Und wenn wir in einem unbekan­nten Gebi­et spazieren gehen, in dem es einiges zu ent­deck­en und schnüf­feln gibt, so ist sie nach 45 Minuten völ­lig platt. Soll­ten sie lediglich an der Leine laufen kön­nen, so ist das anstren­gen­der für sie, als wenn sie sich frei bewe­gen kann. Sie muss sich ständig auf mich konzen­tri­eren und sich an meinem Tem­po ori­en­tieren. Unan­geleint ren­nt sie gerne bis zu 90 Minuten am Stück durch den Wald. An der Leine ist sie nach 60 Minuten abso­lut müde.

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Und was ist mein persönliches Fazit?

Ich lasse es nun etwas ruhiger ange­hen. Soll­ten wir während unser­er Runde Kop­far­beit machen, wird die Runde ensprechend auf 20 oder 25 Minuten gekürzt. Gehen wir lediglich spazieren, reichen 60 Minuten völ­lig aus. Natür­lich wird es auch weit­er­hin Aus­flüge geben, in denen wir länger unter­wegs sind, allerd­ings werde ich dann entsprechende Pausen ein­le­gen und den Rest des Tages ruhig gestal­ten. Sollte sie mich in die Stadt begleit­en oder zur Physio müssen, so weiß ich nun, dass es sie stressen kann und nehme entsprechend Rück­sicht für die Zeit danach.

Wie gestal­tet ihr euren Tag? Wie lange geht ihr spazieren und wieviel Beschäf­ti­gung brauchen eure Hunde?

5 Comments on “Wieviel Beschäftigung braucht ein Hund wirklich?

  1. Ich habe mich auch schon ganz viel mit dem richti­gen Maß an Aus­las­tung und Ruhe befasst, ger­ade weil man ja bei Aussies häu­fig zu lesen und hören bekommt, dass man nicht zu viel machen soll. Aber auch auf keinen Fall zu wenig.
    Ich habe, so wie du keinen fes­ten Tagesablauf und Emme­ly muss daher ganz flex­i­bel sein, Ruhezeit­en und Gas­sirun­den sind jeden Tag zu anderen Uhrzeit­en und in unter­schiedlichem Aus­maß. Nur der Mittwoch ist gle­ich, weil Emme­ly da in der Regel Zuhause bleibt und es anschließend zum THS Train­ing geht.
    Dein Bauchge­fühl wird dir das richtige sagen, ich finde keine Hun­de­train­er kann allein vom Aufzählen was man alles macht richtig gut einschätzen,ob es für den Hund zu viel ist.
    Das ist schließlich auch davon abhängig was der Hund bis­lang gewöh­nt ist und sowie von seinem Charakter/ Wesen abhängig.
    Ich wäre auch mit 10 km joggen jede Woche über­fordert, weil ich es über­haupt nicht gewöh­nt bin. Wenn man es aber regelmäßig macht, schafft man auch irgend­wann 12 km lock­er ohne es groß anstren­gend zu find­en..
    Ich denke solange es immer mal wider Tage gibt, an denen Hunde ein­fach Pause haben und immer mal wieder Tage, wo richtig Action ist und anson­sten halt ein Mit­tel­weg — ist alles gut. Und mal im Ernst: Kein Schäfer der Welt lässt seine Schafherde mal für ein paar Stun­den allein, weil der Hund jet­zt mal zwei Stun­den mit­tagss­chlaf machen muss *zwinker*

    Lieb­ste Grüße

    1. Die Frage nach dem richtigem Maß ist wirk­lich schwierig. Ich finde es super inter­es­sant, zu hören wie andere es machen. Beson­ders inter­es­sant natür­lich auch, wie du es machst, weil man Aussies nachge­sagt sie brauchen viel Action. Schä­fis sind auch Arbeit­shunde und brauchen viel Beschäf­ti­gung.
      Ich denke auch ganz ehrli­hc, dass ich lieber ein­mal mehr eine kleine Ein­heit Kop­far­beit machen kann, bevor Queen vor Langeweile von Kör­bchen zum Tep­pich wan­dert…
      So einen richti­gen Plan kann ich mir sowieso nicht erstellen, weil mein Tages­ry­th­mus unregelmäßig ist. Ich habe aber schon gemerkt, dass ich mir nicht immer Sor­gen machen muss, ich mache zu wenig… Das Bauchge­fühl wird einem am besten helfen kön­nen, schließlich ken­nen wir unsere HUnde am besten 🙂

  2. Auch für mich war das immer wieder ein riesiges Thema.…habe zwei Aussie Rüden, 7 und 4 Jahre alt. Meine Jungs haben auch einen ungeregel­ten Tagesablauf, mal gehen sie mit in die Arbeit mal bleiben sie Zuhause. Ihnen ist es ein­fach wichtig in mein­er Nähe zu sein .

    Vor allem bei meinem Ersthund Mexx habe ich mir in den ersten Jahren ständig über­legt, was wir an Beschäf­ti­gung tun kön­nten… bis ich vor lauter “sporteln” gemerkt habe, dass je mehr wir tun, desto aufge­drehter wurde Mexx!
    Am Ende sind wir beim Mantrail­ing gelandet, was uns sehr sehr gut tut. Den Hun­den macht es große Freude zu suchen und ich bin eben­so sehr ergeizig mit dabei.;)
    Mit­tler­weile sind wir tolles Team , auch Yuma ist ein guter Mantrail­er gewor­den.
    Wir trailen ein­mal in der Woche, anson­sten machen wir aus­giebige Spaziergänge, mal mit dem Radl, mal mit Roller oder wir schlen­dern gemütlich durch den Wald.
    Unsere Gas­sirun­den vari­ieren zwis­chen 30 und 60 Minuten. So kom­men wir meist auf lockere 2 Stun­den Out­door Aktiv­itäen am Tag.
    Auf unseren Run­den machen wir mal Spieli oder Fut­ter­beu­tel suchen.…..oder ein­fach mal gar nix;)

    Faulen­z­er Tage gibt’s zwis­chen­durch eben­so wie aus­giebiges wan­dern in den Bergen, wobei wir immer ein Ziel ( Almhütte ) anstreben um gemütlich Brotzeit machen zu kön­nen;)

    Es wird immer wieder gesagt, dass Aussies sehr viel Beschäf­ti­gung benöti­gen, vor allem Kopf Arbeit usw.…… aber oft ist weniger mehr!
    Ich stelle fest, dass meine Hunde extrem anpas­sungs­fähig sind und sie auch gerne nur schnüf­feln, ren­nen, sich im Gras wälzen, Haupt­sache Frauchen ist dabei.

    An so einem schö­nen son­ni­gen Tag wie heute, hän­gen wir auch gern mal nur im Garten ab. 😉

    Her­zliche Grüße

    Gabriele mit Mexx und Yuma

  3. Ich lese ger­ade mit Begeis­terung deinen Blog und möchte zum The­ma Aus­las­tung auch mal einen Kom­men­tar hier lassen.

    Meine bei­den Hunde Twice (10 Jahre) und Logan (6 Jahre) haben einen sehr regelmäßi­gen Tagesablauf. Mor­gens gibt es immer ca. 30 min Kop­far­beit. Hier machen wir vor allem Gym­nas­tik oder ZOS. Das Futt­ter was von der ersten Mahlzeit übrig bleibt, kommt in die Wob­bler oder müssen allein anders erar­beit­et wer­den. Die Kongs o.ä. gebe ich ihnen immer wenn ich zur Arbeit los­fahre. Bis zum Mit­tag haben sie Zeit sich damit zu beschäfti­gen oder sie schlafen. Da sie bei­de sehr geschickt sind, gehe ich sehr davon aus, dass sie den Großteil schlafen. Zum Mit­tag nimmt sie mein Opi für 2 Stun­den mit in den Garten. Hier kön­nen sie machen was sie wollen, schnüf­feln, sich erle­ichtern, sich son­nen (sehr beliebt) und am Zaun auf­passen. Sie kön­nen ein­fach nur Hund sein…

    Am späten Nach­mit­tag bin ich dann wieder zu Hause und wir gehen eine Runde von 1h — 2h. Auf der Runde machen wir gern kurze Übun­gen oder lassen ein­fach die Seele baumeln. Wenn es warm ist gehen wir gern zusam­men baden. Gern nehmen wir uns auch mal einen Abend in der Woche Zeit um zum Train­ing zu fahren. Da Logan eine jagdl. Leis­tungszucht vom Gold­en Retriev­er ist, macht er gern Dum­m­yarbeit oder ZOS. Twice macht bei­des im Rah­men eines nun älteren Hun­des mit. 🙂

    Am Woch­enende tre­f­fen wir uns sehr gern auf eine größere Runde mit Hun­de­fre­un­den. Gehen wan­dern, sporteln oder je nach Wet­ter baden, ski fahren oder wir faulen­zen. 🙂

    Ich habe das Gefühl, dass meine Hunde sehr entspan­nt sind und gut mit diesem Pen­sum klar kom­men. Da Logan aus Arbeit­slin­ien stammt, dachte ich, er muss viel machen. Je mehr ich machte und je mehr Aktion ich anbot, desto umgestümer und unruhiger wurde er. Bis er nachts sog­ar nicht mehr geschlafen hat…Ich denke, dass vor allem Hunde die zur Aufre­gung neigen, mit ruhi­gen, konzen­tri­erten Auf­gaben bess­er fahren als mit nochmal auf­pushen­den Auf­gaben wie Agili­ty etc.

    Was ich beim The­ma Aus­las­tung auch wichtig finde sind Sozial­part­ner. Ich denke, dass es den meis­ten Hun­den die zu zweit oder noch mehr gehal­ten wer­den, aus­geglich­en­er sind. Voraus­ge­set­zt sie mögen andere Hunde und den Hund den sie als Part­ner an die Seite bekommen…Sie kuscheln, sie spie­len, sie pfle­gen sich und so weit­er. Das macht mein­er Mei­n­ung nach auch aus­geglich­ene Hunde.

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