Wieviel ist eigentlich zu viel?

Wieviel ist eigentlich zu viel?

Seit eini­gen Wochen beschäftigt mich immer wieder eine Frage:

Wieviel ist eigentlich zu viel? 

Wieviel Beschäf­ti­gung braucht ein Hund eigentlich wirk­lich? Wieviel Schlaf braucht er? Und ab wann ist es vielle­icht zuviel?

Um diese Fra­gen für mich beant­worten zu kön­nen, habe ich mit Queen und Püppi eine Art Exper­i­ment gestartet.

Mir war schon immer wichtig, dass meine Hunde art­gerecht beschäftigt wer­den. Dieser Gedanke folgt aus meinem Wun­sch, dass meine Hunde glück­lich sind. Ich möchte, dass es ihnen an nichts fehlt und eine art­gerechte Aus­las­tung steht dabei für mich ziem­lich weit oben auf der Liste.

Doch bevor es um Worte wie “zu viel” gehen kann, erzähle ich euch erst ein­mal wie bei uns die Tage so ausse­hen und warum ich mir über die Frage über­haupt Gedanken mache.

Bei uns sehen die Tage eigentlich ziem­lich ähn­lich auch. Dadurch, dass ich von Zuhause aus arbeite, kann ich mir meine Zeit frei einteilen.

Mor­gens gehen wir meis­tens ein­mal um das große Feld am Ende der Straße. Da die bei­den mor­gens ganz viel schnüf­feln, gehen wir rel­a­tiv langsam und sind meis­tens unge­fähr eine halbe Stunde unter­wegs. Da wir direkt nach dem Auf­ste­hen raus gehen, bin ich noch nicht ganz in der Welt und die bei­den kön­nen auf dieser Runde ein­fach Hund sein. Vor dem Früh­stück ist mir noch nicht so richtig nach Such­spie­len oder ähnlichem.

Kurz vor dem Mit­tag sind wir dann eine etwas größere Runde gegan­gen. Meis­tens so zwis­chen 45 und 60 Minuten. Auf dieser Runde beschäftige ich mich mit den bei­den. Wir machen Such­spiele, also Nasen– und Kop­far­beit, kleine Tricks und ähnliches.

Nach­mit­tags sind wir dann nochmal für eine gute halbe Stunde unter­wegs. Abends ca. 45 Minuten.

So kom­men wir auf ca. 2,5 bis 3 Stun­den täglich.

In den Abend­stun­den trick­sen Püppi und ich und Queen macht Such­spiele in der Wohnung.

Wenn ich Besorgun­gen machen muss, nehme die bei­den oft mit und wir hal­ten unter­wegs irgendwo an, wo es sich ger­ade ergibt und drehen eine Runde.

Zunächst fiel mir auf, dass wir uns in der Woh­nung immer weniger miteinan­der beschäftigt haben, weil die bei­den eigentlich immer schliefen oder zumin­d­est ruhten. Teil­weise wirk­ten die zwei draußen lust­los und trot­ten vor sich hin.

Und so kam zum ersten Mal die Frage auf:

Ist es für die zwei vielle­icht zu viel? Oder ist vielle­icht alles gut, wenn die Hunde Zuhause ruhen?

Ich fing an in Foren nachzule­sen, wie andere ihre Hunde beschäfti­gen. Doch die Mei­n­un­gen und Ansichten gin­gen so weit auseinan­der wie bei der Frage nach dem richti­gen Futter.

Einige schrieben, dass sie mit ihrem Hund mor­gens und abends 15 Minuten gehen wür­den, dafür aber mittgs um die 2 Stunden.

Manche gehen mor­gens eine Stunde und nehmen den Hund abends mit zum joggen.

Andere wider­rum drehen die meis­ten Run­den mit dem Rad oder lassen die Hunde viel in den Garten.

Antworten fand ich nicht. Doch was erhoffte ich mir eigentlich? Jeder Hund ist anders und man muss immer das richtige Maß für sich per­sön­lich finden. Doch ich habe zwei Hunde. Finde ich also eine Art Durchschnittswert?

2 Stun­den am Stück spazieren zu gehen kann ich mir nur vorstellen, wenn man einen richtig schö­nen Aus­flug macht. Doch täglich 2 Stun­den am Stück raus zu gehen und sonst nur kurz für 15 Minuten, wäre nichts für mich. Es kommt ja auch nicht auf die Länge der Runde an, son­dern auf die Qualität.

Mit den Hun­den joggen zu gehen, kann ich mir zwis­chen­durch mal vorstellen, doch ehrlich gesagt nicht als Regelmäßigkeit. Ein Hund hat nicht viel davon, wenn er mit zum Joggen kommt. Das entspricht über­haupt nicht dem natür­lichen Spazierver­hal­ten eines Hun­des. Ich habe vor gar nicht allzu langer Zeit über einen Mann gele­sen, der ein ganzes Rudel Hunde hielt. Er ver­suchte, diese so natür­lich wie möglich zu hal­ten und passte sich ihrem Ver­hal­ten an. Die Hunde gin­gen jeden Tag durch das gle­iche Gebiet, doch immer andere Wege. Und sie gin­gen sehr viel langsamer als er erwartet hatte. Sie tra­bten nur sel­ten, die meiste Zeit liefen sie langsam und schnüf­fel­ten unglaublich viel.

Ich bin auch kein Fre­und davon, jede Runde mit dem Rad zu drehen. Ich will mit meinen Hun­den gemein­sam gehen und nicht neben­her fahren.

Ich war also kein Stück weiter.

Also fing ich an, die bei­den entschei­den zu lassen. Auf den Run­den fol­gte ich den bei­den, wenn sie doch den Abstecher durch den Wald machen woll­ten. Wenn sie bis 12 Uhr ruhten, gin­gen wir erst dann raus. Brachten sie mir Spielzeug, so spiel­ten wir und wur­den sie unruhiger, macht­enh wir Such­spiele und trick­sten. So weit es möglich gewe­sen ist, habe ich mich nach den bei­den gerichtet. Zunächst dachte ich, jetzt wird es wild. Ich ver­mutete, dass Queen grund­sät­zlich den Abstecher durch den Wald und übers Feld machen würde. Bei Püppi ahnte ich, dass sie grund­sät­zlich zu jeder Tages– und Nachtzeit ihr Spielzeug brin­gen würde. Doch dem war  nicht so. Schnell pen­delte sich eine Rou­tine ein.

Let­z­tendlich glaub ich nun, ein gutes Maß gefun­den zu haben.

Wir gehen jetzt mor­gens eine etwas größere Runde, unge­fähr 45 Minuten. Dafür gehen wir nicht mehr am späten Vor­mit­tag, son­dern in der Mit­tagszeit für etwa eine Stunde raus. Auf der Mit­tagsrunde machen wir nach wie vor Kop­far­beit und Suchspiele.

Am Nach­mit­tag spie­len wir in der Woh­nung. Wir haben so viele Intel­li­gen­zspiele, die auf­grund der ganzen Run­den am Tag schon fast einges­taubt waren. Wir ver­stecken Spielzeug und Leck­ereien in der Woh­nung und tricksen.

Abends drehen wir noch mal eine Runde für ca. 45 Minuten.

Für die Mit­tagsrunde fahren wir meis­tens in den Wald oder an den See. Mit­tler­weile ken­nen wir genug Strecken, um an allen Wochen­t­a­gen woan­ders gehen zu kön­nen. Das macht uns allen Spaß. Die Hunde haben immer neue Ein­drücke und sind viel aufmerk­samer und mit mehr Freude dabei.

Natür­lich ist das alles nicht in Stein gemeißelt. Manch­mal muss ich Mit­tags Zuhause sein, weil ich Mate­r­ial bestellt habe und auf DHL warten muss. Dann bauen wir die Run­den eben drum herum, gehen etwas eher und dafür am Nach­mit­tag auf die Wiese.

Wir gehen also in der Regel nun eine Runde weniger raus und beschäfti­gen uns dafür mehr in der Woh­nung. So war es auch bevor Püppi ein­zog. Doch da mal mit einem jun­gen Hund öfter raus muss, ent­stand die vierte Runde. Nun ist Püppi erwach­sen und muss schon lange nicht mehr so oft raus.

Ich glaube, die bei­den sind ganz zufrieden so. Drei schöne Run­den am Tag — zwei nor­male Schnüf­fel­run­den und eine aufre­gende Runde woan­ders mit Nasen– und Kop­far­beit. Nach­mit­tags und oft auch abends spie­len wir in der Woh­nung. Die bei­den sind nach wie vor ruhig in der Woh­nung, doch kom­men zwis­chen­durch auch von alleine an und fordern mich zum Spie­len auf. Das finde ich schön und ich gehe da auch gerne drauf ein.

Dadurch, dass die bei­den fast nie alleine sind und ich sie viel mit­nehmen kann, bes­tim­men sie viel mit. Wenn sie mit­tags zu mir kom­men, dann weiß ich, dass sie ihre Runde drehen wollen. Das gefällt mir wesentlich besser als wenn ich schon fast für die Runde wecken muss.

Ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt, das richtige Maß zu finden. Ich möchte nicht zu wenig mit ihnen machen, doch zu viel ist auch nicht gut. Beide zeigen keine Zeichen von Über­forderung oder Stress, daher denke ich, dass für die zwei alles in Ord­nung ist.

Aus der ganzen Zeit des Aus­pro­bierens und Über­legens nehme ich in jedem Fall mit, dass Bewe­gung zwar wichtig ist, doch dass es vor allem auf die Qual­ität der Run­den ankommt. Zehn Minuten Nase­nar­beit sind genauso anstren­gend wie eine Runde laufen zu gehen. Wir für unseren Teil mögen es auch mal in neuen Gebi­eten spazieren zu gehen und die bei­den genießen die vie­len neuen Eindrücke.

Ein Spazier­gang  bedeutet nicht zwangsläu­fig, dass der Hund auch art­gerecht beschäftigt ist. Doch man darf auch nicht unter­schätzen, dass Run­den in neuen Gebi­eten aufre­gend und daher anstren­gen­der sein kön­nen. Nase­nar­beit ersetzt zwar keine Runde, kann aber eine tolle Ergänzung sein. Auf aus­re­ichend Bewe­gung darf natür­lich nicht verzichtet wer­den, denn nur ein aus­re­ichend bewegtes Gelenk ist ein gesun­des Gelenk.

Doch da jeder Hund anders ist, muss jeder für sich her­aus­finden wieviel Beschäf­ti­gung sein Hund benötigt. Queen zum Beispiel hat eine ein­deutige Anzeige dafür, dass sie zu wenig Beschäf­ti­gung bekom­men hat: Wenn sie nicht aus­ge­lastet ist, wenn sie an der Leine an zu pöbeln. Dann weiß ich genau, dass sie mehr Kop­far­beit braucht 🙂

Bei dem richti­gen Maß spielt aber nicht nur der Hund eine Rolle, son­dern auch die eige­nen Leben­sum­stände. Unser All­tag würde wahrschein­lich anders ausse­hen, wenn wir einen Garten hät­ten. Hof­fentlich dauert das nicht mehr allzu lange 🙂

Wie ist es bei euch? Wie oft und wie lange geht ihr raus? Wie beschäftigt ihr eure Hunde?

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Posted on: 10. September 2017Sabrina

7 Gedanken zu „Wieviel ist eigentlich zu viel?

  1. Da ich wie du auch von zu Hause arbeite, kann ich mir auch die Zeit ein­teilen. Ich gehe mit Bax in der Regel 2 x raus. 1 x mor­gens und 1x abends. Unsere Run­den dauern jew­eils zwis­chen 45 und 60 Minuten. Feste Zeiten gibt es nicht. Wenn Bax raus muss/will kommt er zu mir an den Schreibtisch und zeigt es mir an. Bei den Gassi Run­den bauen wir immer wieder Spiele ein. Bax schläft sonst fast den ganzen Tag. Er kann sich selbst aus­suchen wo er sich hin­le­gen will. Er kann im Haus in jeden Raum und im Som­mer jed­erzeit in den Garten. Die Türe steht im Som­mer immer auf. Bax ist jetzt 7 Jahre und man merkt dass er schon langsam ins Seniorenal­ter kommt. Deshalb denke ich, dass er ganz zufrieden ist wenn er schlafen kann. Ich denke auch das viel Schlaf für Hunde, für die Gesund­heit wichtig ist. Wenn Hunde in Fam­i­lien mit viel Aktiv­ität leben kann der Schlaf leicht mal zu wenig werden.

    1. Dann ist es bei dir ja ähn­lich wie hier. Wenn wir einen Garten hät­ten, dann würde ich mich auch zwis­chen­durch dort mit den Hun­den beschäftigen.
      Püppi ist ja erst ein Jahr und Queen wird bald fünf. Von Seniorenal­ter kann man also noch nicht reden — im Gegen­teil Queen wird immer aktiver 😀
      Ich kenne einige Hunde, die in meinen Augen zu wenig Schlaf bekom­men. Man merkt es ihnen deut­lich an.
      Es ist wirk­lich wichtig, dass Hunde genug Ruhe bekommen.

  2. Hallo!

    Mein Mann und ich teilen uns die Gas­sirun­den von Lyko auf. Mor­gens die erste Runde nur zum Lösen und Pinkeln gehe ich, sie ist meist ca 20 Minuten, dann tagsüber geht mein Mann, je nach­dem wie er Dienst hat 1–2 mal.
    Und danach richtet sich auch, ob ich dann abends nochmal gehe oder nicht. Wenn ich abends gehe, dann mache ich immer noch Kop­far­beit oder Such­spiele mit Lyko. Mein Mann ist einer, der immer nur Jagdspiele mit Lyko macht.
    Lyko ist zu Hause nicht ruhiger, wenn wir viel draußen sind oder viel Kopf-&Nasenarbeit machen… Er braucht auch zu Hause abends häu­fig noch Aus­las­tung und so haben machen wir abends immer noch Trickdogging.
    Damit Lyko ruhig lieben­bleibt und auch schläft, muß ich auf meinem Arsch sitzen, habe ich abends aber noch zu tun: Einkaufen und einkäuf wegräu­men, Spül­mas­chine aus­räu­men oder Küche aufräu­men, oder irgend­was wo ich eben rum­laufe, kommt Lyko nicht zur Ruhe. 

    Gruß Silke

    1. Aber ist das Ver­fol­gen tat­säch­lich eine Auf­forderung zur Beschäf­ti­gung? Das ist es in den sel­tensten Fällen. Vor allem im Hin­blick auf Lykos genetis­che Ver­an­lagerung würde ich eher sagen, dass er kon­trol­lieren möchte. Das hat Queen auch lange gemacht…

      1. Ja ich denke auch, dass Lyko eher kon­trol­liert, aber ich denke ein­fach noch eine Schippe Kop­far­beit ist bei Lyko nicht verkehrt. Es macht ihm auch Spaß! Wenn er schon sieht, dass ich nach dem Klicker greife…
        Das Kon­trol­lieren ver­suche ich auch noch etwas auszubrem­sen, dass ich eben manch­mal bewußt viel durch die gegen laufe, bis er eben aufhört mir zu fol­gen und /oder eben der Befehl, dass er auf seinem Platz bleiben soll auch mal funk­tion­iert. Ist aber echt tags­formab­hängig und ich habe den Ein­druck, dass es ger­ade nach WE, wo wir viel zusam­men sind dann erst­mal wieder stärker ist und zum Ende der Woche besser wird.

        ÜBri­gens machst Du ja durch das Erar­beiten von Choreos und em Agility ver­mut­lich noch mehr mit Püppi als mit Queen. Da sie ja schon ein sehr quirliger Hund ist, kön­nte es bei ihr vielle­icht doch ein ticken zu viel sein? Schä­fis sind ja aus­gelegt fürs Arbeiten, aber bei einem Shizu-Maltermischling liegt die Ver­an­la­gung doch etwas anders, oder???
        Mir hat meine Trainerin übri­gens damals abger­aten mit Lyko Agility zu machen, weil sie meinte, es würde ihn noch mehr hoch­putschn und quirliger machen, da ist bei ihm ruhige Nasen-&Kopfarbeit doch viel besser…
        Gruß Silke

        1. Ich mach schon seit eini­gen Wochen kein Agility mehr mit Püppi.
          Aber nicht, weil es zu viel wäre, son­dern weil uns das zu lang­weilig gewor­den ist.
          Püppi braucht mehr Kop­far­beit als Queen. Obwohl sie kein typ­is­cher Arbeit­shund ist, steckt in ihr die Energie von einem Mali­nois. Das ist wirk­lich extrem und war von Anfang an so.

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