Wir sind halt die mit dem Hund

Diese Zeilen richt­en sich an alle Men­schen, die keine Hunde mögen. Eine Prise Ironie zum Nach­denken. Adressiert an alle, die wed­er Ver­ständ­nis noch Respekt vor Hun­den und ihren Zweibein­ern auf­brin­gen kön­nen.

Vielle­icht bist du ein Rad­fahrer, der sich uns von hin­ten nähert, ohne zu klin­geln und ohne die Geschwindigkeit zu reduzieren. Ich springe gerne mit meinen Hun­den an die Seite um dir Platz machen zu kön­nen. Es wäre auch wirk­lich zu viel ver­langt, dass du auf dich aufmerk­sam machst, denn wie alle anderen Men­schen auch ver­füge ich über keinen Augen im Hin­terkopf. Eben­so wenig ist dir zumut­bar, dass du deine Geschwindigkeit anpasst.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir nehmen Rücksicht und springen für euch blitzschnell an die Seite. Selbstverständlich braucht sich hierfür niemand zu bedanken.

Vielle­icht bist du ein Jog­ger, der mit­ten auf dem Weg läuft. Auch du brauchst dich nicht bemerk­bar zu machen, schließlich müssen Hun­de­men­schen ihre Augen wie eine Run­dum­leuchte nutzen und stets in alle Rich­tun­gen Auss­chau hal­ten. Gerne rufe ich meine Hunde zu mir und räume den Weg für dich frei.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir möchten nicht, dass jemand unseretwegen seine Laufbahn auch nur einen Schritt verlassen muss und machen Platz. Ein Danke ist hier aufgrund der Selbstverständlichkeit natürlich nicht nötig.

Vielle­icht bist du ein Aut­o­fahrer, der an einem Zebras­treifen anhal­ten muss, weil ich ger­ade mit meinen Hun­den die Straßen­seite wech­seln möchte. Natür­lich ist es kein Prob­lem, wenn du schon los­fährst bevor wir die andere Seite erre­icht haben. Schließlich hal­ten wir dich auf und du möcht­est sich­er pünk­tlich am Essen­stisch bei dein­er Frau sitzen. Sie hat ganz sich­er dein Lieblings­gericht für dich gekocht, welch­es selb­stver­ständlich nicht warten darf. Dafür haben wir natür­lich Ver­ständ­nis und sprin­gen die let­zten Schritte auf den Gehsteig.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir möchten niemanden aufhalten und rennen gerne für dich über den Zebrastreifen. Dass dies selbstverständlich ist, darfst du gerne äußern, indem du schon einmal losfährst oder gar nicht erst richtig zum Stehen kommst. Kein Problem. Wir beeilen uns gerne für dich.

Vielle­icht bist du auch eine Mut­ter, die mit ihrer Fre­undin gemein­sam spazieren geht und ihre Kinder wild und mit großen Ästen in den Hand über den Weg sprin­gen. Selb­stver­ständlich hole ich meine Hunde zu mir und laufe einen großen Bogen um die Kinder herum. Und natür­lich ist es auch kein Prob­lem, wenn deine Kinder mit dem großen Ast in der Hand schreiend auf meine Hunde zuger­an­nt kommt, die ich aus Rück­sicht auf euch angeleint habe. Wenn du schon ein­mal die Gele­gen­heit hast, dich mit dein­er Fre­undin auszu­tauschen, dann kann nie­mand erwarten, dass du zusät­zlich noch ein Auge auf deine Kinder hast.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir bieten dir gerne die Gelegenheit, dich voll und ganz auf dein Gespräch zu konzentrieren und alles um dich herum vergessen zu können.

Vielelicht bist du ein Vater, der von sein­er Frau dazu ver­don­nert wurde, sich mit seinen Kindern zu beschäfti­gen. Sich auf die Bank vor dem Ein­gang zu set­zen, eine Zigarette und eine Flasche Bier dazu ist doch die per­fek­te Möglichkeit, die Kindern beim Skat­en “beauf­sichti­gen” zu kön­nen. Und wenn deine Kinder auf­grund der immer gle­ichen Strecke von zehn Metern gelang­weilt sind, dann kommt ein vor­beilaufend­er Hund natür­lich ger­ade richtig. Es ist völ­lig in Ord­nung, dass dein Kind auf meine Hunde zuge­fahren kommt und sich einen Spaß daraus macht, im let­zten Moment auszuwe­ichen. Ihm ist ja schließlich lang­weilig und dann kom­men andere Leben­we­sen ger­ade richtig.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir flüchten gerne vor deinem Kind, während du dein Feierabendbier genießt. Antiautoritäre Erziehung ist schließlich ein tolles Schlagwort und so einfach. Das verstehe ich.

Vielle­icht bist du auch ein Mitar­beit­er bei der Stadt und hälst es für über­aus wichtig, dass Hunde am See nicht ins Wass­er oder an den Strand dür­fen. Du hast schon Recht. Schließlich haben Bel­lo und seine Hun­de­clique ver­gan­genen Sam­stag am See gegrillt und ihre Kohle ein­fach dort hin geschüt­tet. Laut Musik gehört haben sie auch und dadurch alle anderen gestört, die dort ihre Ruhe genießen woll­ten. Chip­stüten haben sie nicht in den Müll, son­dern direkt ins Wass­er gewor­fen und die Bier­dosen waren im hohen Gras doch super aufge­hoben. Hunde hin­ter­lassen wirk­lich viel Plas­tik­müll, machen unglaublichen Lärm durch ihre laute Musik und diese Gril­lkohle, die Hunde über­all liegen lassen. Das ist wirk­lich schlimm.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir dürfen noch längst nicht überall hin.

Vielle­icht bist du sog­ar eben­falls Hun­de­hal­ter. Vielle­icht möcht­est du deinen Hund aus­las­ten und hälst die Begeg­nung zu anderen Hun­den für die beste Möglichkeit, einen müden Hund mit nach Hause zu brin­gen. Schließlich ist es auch echt zu viel ver­langt, dass man seinen Hund nach einem harten Arbeit­stag selb­st beschäftigst. Da ist es total nachvol­lziehbar, dass man ihn ein­fach auf andere Hunde zuren­nen lässt. Der will ja sowieso bes­timmt nur mal Hal­lo sagen.

Wir sind halt die mit dem Hund. Wir regeln die Situation gerne und schirmen deinen Hund ab. Dass du den Raum eines anderen Hundehalters respektierst, ist auch echt ein Stück zu viel verlangt. Schließlich möchte dein Hund meinen nur mal kurz am Hintern schnüffeln.

Ver­ste­ht mich nicht falsch. Ich nehme gerne Rück­sicht auf meine Mit­men­schen. Dies ist für mich eine Selb­stver­ständlichkeit. Doch Respekt ist keine Ein­bahn­straßen. Respekt sollte etwas Gegen­seit­iges aufweisen und wir wür­den uns alle das Leben leichter machen, wenn wir gegen­seit­ig Rück­sicht aufeinan­der nehmen, statt dies wort­los von seinem Gegenüber zu erwarten. Und wenn jemand Rück­sicht nimmt, dann hat es etwas mit Respekt und Aufrichtigkeit zu tun, sich hier­für zu bedanken.

Ich bedanke mich immer, wenn ein Rad­fahrer wegen uns langsamer wird, eine Mut­ter ihre Kinder zu sich ruft oder wenn ein Auto uns die Straße passieren lässt. Ein Danke begleit­et von einem kleinen Lächeln kostet nichts und tut gar nicht weh.

Aber was soll ich sagen. Wir sind halt die mit dem Hund.

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7 thoughts on “Wir sind halt die mit dem Hund

  1. ….als hättest du auch meine Gedanken lesen kön­nen. Ich frage mich so oft, ob ich ein­fach zu verknif­f­en bin, dass mich diese Rück­sicht­slosigkeit­en total auf die Palme brin­gen. Aber offen­sichtlich bin ich da nicht allein. Wirk­lich schade finde ich auch, dass so oft nicht ein­mal ein „Danke“ drin ist. Nicht ein­mal von Eltern mit Kindern im Schlepp­tau. Da hätte ich zumin­d­est dann und wann eine Vor­bild­funk­tion erwartet. Ich kenne die Sit­u­a­tio­nen auch „von der anderen Seite her“. Ich fahre lei­den­schaftlich gern Moun­tain Bike. Meine Streck­en führen mich auch durch unsere Aus­laufge­bi­ete. Und es ist wirk­lich nicht schw­er, als Rad­fahrer Rück­sicht zu nehmen oder sich zumin­d­est zu bedanken. Es wäre so ein­fach und so entspan­nt, wür­den ein­fach alle Rück­sicht aufeinan­der nehmen. Gle­ich­es gilt für das The­ma „freilaufende Kinder“ 😉 …man kann Kindern ziem­lich ein­fach erk­lären, warum es keine gute Idee ist, schreiend auf einen Hund zuzuren­nen und dabei vielle­icht noch mit einem Stock um sich zu schlagen….und warum man vorher unbe­d­ingt fra­gen sollte, bevor man einen Hund ein­fach stre­ichelt. Das wiederum bringt mich aber auch zu jenen Hun­de­hal­tern, die ihren bel­len­den und sichtlich aufgeregten Hund an der Leine beinah in den Kinder­wa­gen unser­er Tochter sprin­gen lassen. „Der will ja nur mal gucken“…“ähhh neee, so aber nicht“. Dafür habe ich eben­so wenig Ver­ständ­nis (und mein Rüde auch nicht).
    LG Jas­mi­na und Pan ❤

  2. Du sprichst mir aus der Seele.
    Erst let­zte Woche ist auf Bax und mich ein klein­er Junge mit einem großen Ast schwin­gend auf uns zuger­an­nt.
    Ich schätze der Junge war so um die 7 Jahre alt.
    Beglei­t­end wurde der Junge von 2 Erwach­se­nen.
    Ich denke das waren die Eltern.
    Die bei­den hat­ten zwar die Sit­u­a­tion zur Ken­nt­nis genom­men, reagierten jedoch in kein­er Weise.
    Als ich Sie darauf Ansprach, dass das gefährlich ist und Sie ihrem jun­gen doch beib­rin­gen soll­ten, das man auf Hunde nicht zuren­nt und schon gar nicht mit einem Ast in der Hand sind die bei­den ohne jede Reak­tion weit­er gegan­gen.
    Ich finde sowas echt erschreck­end.
    Wenn man Kinder hat sollte man diese auch erziehen.
    Woher sollen Kinder son­st wis­sen wie man sich richtig ver­hält.
    Viele Grüße und einen son­ni­gen Tag
    Hans Peter

  3. Es ist mir soooo aus der Seele geschrieben. Es kön­nte noch unendlich weit­er geschrieben wer­den.
    Natür­lich passiert es mir auch mal das ich es nicht mit­bekomme das ein Jog­ger (usw) um die Ecke kommt. Das ist mir dann aber mega pein­lich und ich entschuldige mich tausend mal.
    Entschuldigung , bitte und danke zu sagen tut nicht weh. Manch Einem aber schein­bar schon.
    Ich per­sön­lich finde ein wenig Fre­undlichkeit kann Türen öff­nen.
    Liebe Grüße
    Clau­dia

  4. Oh man, heute Abend Kom­men­tar Num­mer 3 🙈…. aber endlich ein Block der mir gefällt und in vie­len Punk­ten mir aus der Seele spricht.
    Eigentlich bin ich offiziell Erst-Hunde -Besitzer, doch sind im Laufe der let­zten Jahre schon einige Hunde durch meine / unsere Fin­ger gewuselt. Mein Mann hat­te auf dem G
    Hof sein­er Eltern immer eigene wun­der­schöne, treue Hunde. Mein Traum war immer ein “ Hund der Band­scheiben­fre­undlich “ ist…. also nix kleines!
    Ok, jet­zt habe ich / wir einen 6 Monate alten Junghund, der sich Band­scheiben­fre­undlich entwick­elt 😂😂😂.
    Genau wie der Erziehung unser­er Kinder habe ich bei Bar­ney genaue Vorstel­lun­gen sein­er Erziehung 😆😆.
    Ich bin von deinem Blog pos­i­tiv über­rascht, denn in vie­len Punk­ten erkenne ich mich wieder. Es ist mir eine Freude deinem Blog zu ver­fol­gen!
    Vie­len Dank dafür
    Liebe Grüße
    Iris Vorn­hülz
    Genau wie in der Erziehung unser­er Kinder habe ich auch genaue Vorstel­lun­gen

  5. Grandios­er Artikel!
    Genau so ist es. Rad­fahrer sind sowieso ein The­ma für sich. Diese Spezies ist qua­si immer im Recht.
    Hun­de­hal­ter dage­gen sind eigentlich immer im Unrecht, egal was sie tun.
    Du beschw­erst dich über Wild­pin­kler? Dann wird dir ent­ge­gen­ge­lallt, dein Hund würde doch auch „über­all hin­pinkeln“.
    Du fragst jeman­den, ob er seinen Getränkekar­ton nicht in den Müll wer­fen will statt ihn auf die Straße zu schleud­ern? „Du mit deinem Scheißköter sei mal ganz ruhig, der scheißt doch alles voll.“
    Spielt keine Rolle, ob du ein rück­sichtsvoller Men­sch bist und brav die Hun­de­haufen aufheb­st. Für die anderen bist du trotz­dem der Arsch vom Dienst.
    Und zu den wichti­gen Ord­nungskräften, die es nicht dulden kön­nen, dass ein Hund auf einem Wald­weg frei läuft: Ist egal, dass Ihr nicht dafür sorgt, dass ich nicht von Ren­nradlern über den Haufen gefahren werde, das ver­ste­he ich doch. Man kann sich ja nicht um alles küm­mern.
    Da akzep­tiere ich natür­lich gern einen Bußgeldbescheid, nur weil ich es gewagt habe, mit meinem Hund die Natur zu betreten, statt ihn zuhause bei strahlen­dem Son­nen­schein im Zim­mer sitzen zu lassen und den Aus­flug alleine zu machen. Wir sind die mit dem Hund und haben kein Recht auf Erhol­ung mit unserem Fre­und und Fam­i­lien­mit­glied. Die Natur ist schließlich Euer Eigen­tum und Ihr bes­timmt, wer zu Besuch kom­men darf.

  6. Hal­lo,
    Erst­mal möchte ich dir in allen Punk­ten zus­tim­men, wir sind halt die mit dem Hund, die nie­man­den zur Last fall­en wollen.
    Neulich hat­te ich bei uns im Park eine Begeg­nung, da ist mir die Wut über diese Sit­u­a­tion über den Kopf gestiegen.
    Eine Mut­ter mit einem kleinen Kind, vielle­icht 2 Jahre alt und ein großer Schäfer­hund. Tim­ba ist ja selb­st sehr groß,hat keine Prob­leme mit Kindern und schon gar nicht mit anderen Hun­den, solange diese Artgenossen keine Rüpel sind, die schon 100 Meter vorher anfan­gen zu Grum­meln und in die Leine zu sprin­gen.
    Was dann also passiert ist :
    Die Mut­ter war an ihrem Handy, keinen Blick fürs Kind. Der kleine Junge kam dann also auf uns zu und umarmte Tim­ba prompt, wobei mein Dick­er dann zurück geschreckt ist. Das war dann doch zu viel Nähe von einem frem­den Menschen,auch wenn dieser es noch nicht bess­er weiß.
    Und weil sie ihren Hund dann nicht mehr hal­ten kon­nte machte sie die Leine ab und der Schäfer­hund ( der vorher schon ran­dalierte) also direkt auf Tim­ba los und schneller als ich oder Tim­ba reagieren kon­nte, biss der andere zu. Tim­ba ver­suchte sich zu wehren, ich schnappte mir mit Mühe das Kind, welch­es immer noch damit beschäftigt war Tim­ba zu kuscheln. Die Mut­ter ist ein­fach weit­er gelaufen. Als wäre es selb­stver­ständlich, dass ich mich um ihren Anhang küm­mere. Ich hat­te dann das Kind auf dem Arm pack­te den Schäfer­hund am Nack­en und zog ihn von meinem Husky runter, zurück zur Besitzerin und habe die aus der Wut her­aus nur noch ange­brüllt.
    Ende der Geschichte ? Heute mor­gen war ich mit meinem wieder im Park, eine Frau die mich von weit­em fragt,ob ich meinen Hund denn hal­ten kön­nte und ob er gar keinen Maulko­rb bräuchte , ihre Bekan­nte hätte ja let­ztens so eine schlechte Erfahrun­gen mit meinem Hund gemacht.
    Ich ver­ste­he dieses ewige Kein-Ver­ständ­nis-Zeigen ein­fach nicht und vor allem dieses unbe­sorgte. Aber das müssen wir dann wohl auch nicht.
    Liebe Grüße

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