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[Der will doch nur spielen.]

Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Wie oft haben wir uns schon gefragt, ob die Per­son ihren Hund über­haupt lesen kann?

Zur Zeit geht eine Geschichte viral, in dem ein klein­er Hund von einem Größeren sehr gefährlich ver­let­zt wor­den ist. In ein­er 18 — stündi­gen Not­op­er­a­tion wurde die Kleine gerettet, ihr Auge lei­der nicht. Hätte der andere Hund nicht das Auge erwis­cht, so wäre der Biss vielle­icht tiefer in den Hals gegan­gen und sie hätte es vielle­icht nicht über­lebt. Die kleine Maus kämpft sich zur Zeit zurück ins Leben und weil mich diese Geschichte so berührt, möchte ich ein paar Worte dazu ver­lieren.

Wir alle tra­gen die Ver­ant­wor­tung für unsere Hunde und es liegt in unserem Auf­gaben­bere­ich eine solch schreck­liche Sit­u­a­tion zu ver­mei­den. Ich habe dazu einige Grund­sätze her­aus­gear­beit­et, die wir alle beherzi­gen soll­ten — aus­nahm­s­los jed­er von uns. Ob Mal­teser, Pudel oder Dober­mann — denn sind wir mal ehrlich: wollen wirk­lich alle nur spie­len?

Ob sie wohl “nur spie­len” will? 🙂

Lerne deinen Hund zu lesen.

Es ist unsere Pflicht, die Kör­per­sprache unser­er Hunde lesen zu kön­nen. Wie oft erlebe ich, dass ein Hund deut­lich dro­ht und die Besitzerin nur ruft “Lassen sie die ruhig laufen. Der will nur spie­len.” Nein, das will er nicht!

Besucht Sem­i­nare, lest Büch­er, schaut von mir aus bei YouTube, aber informiert euch. Es ist eure ver­dammte Pflicht zu wis­sen, wie euer Hund sich fühlt. Ist er entspan­nt oder hat er Angst? Will er spie­len oder dro­ht er? Kleine, aber feine Unter­schiede kön­nen unter Umstän­den in ein­er schlim­men Katas­tro­phe enden.

Eine Hun­de­v­er­hal­tenspsy­cholo­gin hat mir mal erzählt, dass ca. 80% der Sit­u­a­tio­nen, die ein ungeschultes Auge als Spiel inter­pretieren wür­den, in Wirk­lichkeit Mob­bing ist. Nicht jed­er Hund spielt mit Artgenossen. Evo­lu­tions­bi­ol­o­gisch völ­lig nachvol­lziehbar, denn aus der Sicht des Tieres ist ein Spiel Ressourcenver­schwen­dung. Gemein­sames Schnüf­feln und spazieren gehen ja, doch ein hin­tere­inan­der Her­ren­nen auf ein­er Wiese während die Besitzer am Rand ste­hen und zuschauen nein. Das ist ein erzwun­gener Kon­takt und in der Regel Mob­bing, aber kein Spiel! Wir müssen ver­ste­hen, dass ein Hund nicht mit anderen spie­len muss.

Nehmt Rücksicht.

Gestern erst bin ich mit mein­er Mama spazieren gegan­gen. Ein klein­er Feld­weg an ein­er Wiese ent­lang. Auf dem Weg standen zwei Frauen und unter­hiel­ten sich. Ein klein­er weißer Hund — ähn­lich groß wie Püp­pi — schnup­perte in ca. drei Metern Ent­fer­nung. Auf der Wiese stand ein Box­er und fix­ierte uns. Ich leinte Queen an, meine Mut­ter Püp­pi. Wir blieben einen Moment ste­hen. Die zwei Frauen sahen uns, doch ver­tieften sich direkt wieder in ihr Gespräch. Eigentlich dachte ich, unser Ver­hal­ten sei Zeichen genug, doch schein­bar nicht. Ich rief rüber und bat die Damen darum, die Hunde zu sich zu rufen. Ich muss kein Hellse­her sein, um zu ahnen, was passiert wäre. Wir hät­ten schließlich direkt an den zwei Frauen vor­bei laufen müssen. Der Box­er wäre wahrschein­lich nicht hin­ten auf der Wiese geblieben, wenn er vorher schon fix­iert. Als wir vor­bei liefen, wün­schte ich einen guten Mor­gen und bedank­te mich fre­undlich. Von der Besitzerin des Box­ers erhielt ich keine Antwort. Ihr abw­er­tender Blick war Antwort genug. Ist es denn zu viel ver­langt, Platz zu machen? Wenn ich doch sehe, dass jemand anleint und wartet, dann rufe ich aus Rück­sicht­nahme meine Hunde zu mir oder bewege mich weit­er in die Wiese hinein und mache Platz. Ich bin ganz ehrlich: mich kotzt diese Rück­sicht­slosigkeit und dieser Ego­is­mus ein­fach nur noch an. Wie kön­nen wir es auch wagen, den Feld­weg ent­lang laufen zu wollen? Wir soll­ten uns schä­men.

Schützt euren Hund.

Ich habe schon von vie­len gehört, dass sie sich gar nicht mehr trauen, andere ums Anleinen zu bit­ten, weil man so oft auf Unver­ständ­nis stößt. Aber bitte schützt euren Hund. Es gibt Sit­u­a­tio­nen, in denen man nicht mehr ein­greifen kann. Die Ent­fer­nung ist zu groß, die Zeit zu ger­ing oder ähn­lich­es. Doch wenn es möglich ist, ein Zusam­men­tr­e­f­fen der Hunde zu mei­den, dann regelt die Sit­u­a­tion. Bit­tet darum, dass der Hund gerufen wird, egal, wie es beim anderen ankommt. Schirmt ab, macht euch groß, schre­it laut “Stop”. Erschreckt den ent­ge­gen kom­menden Hund und sei es mit einem kurz vor ihm aufges­pan­nten Schirm. Greift ein und ver­hin­dert, dass der andere Hund eurem zu nahe kommt. Ich zum Beispiel weiß, dass Püp­pi sich mit wilden großen Hun­den unwohl fühlt. Daher lasse ich das grund­sät­zlich nicht zu. Es gibt nicht wenig große Hunde, die so wild sind und gar nicht wis­sen, wieviel Kraft sie haben. Die Pfoten fliegen und die Hunde sprin­gen wild durcheinan­der. Wenn ein solch­er Hund auf Püp­pi lan­det, sind die Wirbel schnell durch also nein danke. Das brauche ich nicht. Und es ist auch keine Schande, dass man Hun­dekon­takt gezielt aus­sucht. Manche Hunde passen ein­fach nicht zueinan­der und ganz wichtig: Hun­dekon­takt darf niemals erzwun­gen wer­den. Wenn man sich mit der Forschung von Wölfen und wild leben­den Hun­derudeln beschäftigt, merkt man schnell, dass Kon­takt zu unbekan­nten Artgenossen gar nicht erwün­scht ist. Wenn unsere Hunde entschei­den kön­nten, dann wür­den sie diesen Sit­u­a­tio­nen viel häu­figer aus dem Weg gehen als wir zunächst ver­muten wür­den.

Wir müssen uns ver­ab­schieden von Sätzen wie “die regeln das schon unter sich” oder “wird schon gut gehen”. Diese Sätze sind gefährlich und absoluter Quatsch.

Seid ehrlich.

Soll­tet ihr bei der Analyse eur­er Hunde zu dem Ergeb­nis kom­men, dass die Kör­per­sprache wohl doch nicht darauf hin deutet, dass er “nur spie­len” möchte, dann seid ehrlich. Es ist keine Schande zuzugeben, seinen Hund anzuleinen und an anderen Hun­den vor­bei zu gehen.

Queen bringt zum Beispiel von Haus aus ein anderes Poten­tial mit als zum Beispiel Püp­pi. Sie ist genetisch ganz anders pro­gram­miert. Schäfer­hunde sind Kon­troll­f­reaks. Die wollen alles kon­trol­lieren, alles im Griff haben und alles muss durch ihre Pfoten abgeze­ich­net wer­den. Andere Hunde wer­den also unter Umstän­den begren­zt, eingeschränkt und kon­trol­liert. Queen ist da ein Parade­beispiel. Hun­de­begeg­nun­gen waren also schon immer etwas mit Vor­sicht zu genießen. Seit Püp­pi bei uns lebt, hat sich das Ganze weit­er entwick­elt. Püp­pi hat vor großen Hun­den Angst, wenn diese wild und unkon­trol­liert durch die Gegend sprin­gen. Ruhige entspan­nte Hunde sind völ­lig ok, aber sobald ein­er über sie springt oder sie bedrängt, ist es vor­bei und sie bekommt Angst. Völ­lig nachvol­lziehbar also, dass Queen sie beschützen möchte und dazwis­chen geht. Queen würde jede Gren­ze über­schre­it­en, um Püp­pi beschützen zu kön­nen. Daher leine ich grund­sät­zlich an, wenn fremde Hunde kom­men. Lediglich, wenn es sich um Hunde han­delt, mit denen Püp­pi entspan­nt ist, kann ich eventuell über­legen, ob ich Queen dazu lasse. Das ist aber eigentlich nur bei zwei bis drei Hun­den, die mir spon­tan ein­fall­en, der Fall.

Was ich damit sagen will: es ist keine Schande zu sagen, dass man keinen Hun­dekon­takt möchte. Wenn ich meine zwei anleine oder zu mir rufe, höre ich so oft den Satz “Lassen Sie ruhig, mein­er tut nichts.” Ich rufe dann meist zurück “meine aber” und dann wer­den die anderen meist ganz schnell 🙂 Manche Men­schen scheinen auch ein­fach nicht zu ver­ste­hen, dass es etwas anderes ist, ob sich zwei unbekan­nte Hunde tre­f­fen oder ob ein Hund auf ein anderes Rudel stößt. Seit Püp­pi bei uns ist, glauben schein­bar viele, “wenn der Kleine über­lebt, dann kann die Große nicht so schlimm sein”.

Ich weiß aus eigen­er Erfahrung, dass man oft schräg oder abw­er­tend abge­se­hen wird, wenn man darum bit­tet, dass der andere Hund angeleint wird. Ich habe schon viele dumme Sprüche und Belei­di­gun­gen anhören müssen, doch das ist mir egal. Ich trage die Ver­ant­wor­tung für meine Hunde und wenn mich die anderen für schräg hal­ten, dann soll es so sein. So habe ich wenig­stens meine Ruhe 🙂

Bevor dieser Artikel endet, möchte ich noch einige Worte an diejenigen richten, die auch einen “der will nur spielen” Zuhause haben:

Stellt euch doch mal vor, euer Hund möchte vielle­icht nicht nur spie­len und es kommt zu einem Beißvor­fall, den euer Hund ver­schuldet. Der andere wird schw­er ver­let­zt, ist vielle­icht sog­ar tot. Ihr müsst euren Hund aus der Sit­u­a­tion holen, seht den ver­let­zen, vielle­icht schreien­den anderen Hund. Schaut auf euren und seht Blut an seinen Lefzen. Wie würdet ihr euch fühlen? Würdet ihr schlafen kön­nen? Würdet ihr am näch­sten Mor­gen auf­ste­hen und euren Liebling mit den gle­ichen Augen anse­hen wie vor dem Beißvor­fall? Wäre es immer noch euer klein­er Schatz oder würdet ihr die blutver­schmierten Lefzen nicht mehr aus dem Kopf bekom­men? Vielle­icht würdet ihr nachts wach, weil ihr den Schrei des anderen Hun­den nicht aus den Ohren bekommt? Die Trä­nen des Besitzers, der seinen schw­er ver­let­zen oder gar toten Hund auf dem Arm hält, wür­den sie euch ver­fol­gen?

Ich denke, wir alle haben Gänse­haut bei der Vorstel­lung. Wir alle möcht­en sowohl unserem Hund als auch allen anderen eine solche Sit­u­a­tion ers­paren. Wacht auf und lasst es nicht so weit kom­men!

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3 thoughts on “[Der will doch nur spielen.]

  1. Riccarda Wojciechowski says:

    Es ist sooo anstren­gend den Men­schen immer wieder zu erk­lären, warum man keinen Kon­takt zu seinem Liebling möchte!! Wir hat­ten jet­zt noch eine Begeg­nung wo der andere Hund von weit­em dro­hte, bei­de Hunde waren angeleint, aber die Dame kommt trotz War­nung direkt auf uns zu „weil ihr Hund nur mal guten Tag sagen möchte“😡
    Ich habe mich dazwis­chen gestellt und die Dame ist belei­digt abge­zo­gen 😳
    Schreck­lich!!!!!

  2. Claudia Peters says:

    Ja auch dazu kann, glaube ich, jed­er seit­en­lang Begeg­nun­gen erzählen.
    Ich bin dazu überge­gan­gen die Men­schen zu fra­gen ob die sich auch zu völ­lig frem­den Per­so­n­en im Restau­rant an den Tisch set­zten, oder an der Haustür lauern bis fremde Kinder vor­beikom­men und die dann zwin­gen mit ihren eige­nen zu spie­len. Die Blicke sind sehr komisch.
    Ich ändere die Men­schen nicht, aber ich lasse mir auch nicht Alles gefall­en😉

  3. Es ist lei­der so, dass vie­len Leuten nicht nur die Belange ander­er völ­lig egal sind, son­dern auch ihr eigen­er Hund! Ich glaube nicht, dass das nur Unwis­senheit ist, wie manche sich ver­hal­ten, nein, das ist Igno­ranz und Gle­ichgültigkeit. Hund wird am Super­markt ange­bun­den, frisst Unrat, trinkt aus Pfützen, provoziert andere Hunde, die viel größer sind? Egal! Wird schon gut gehen. Man “glaubt ja an das Gute”. Und wenn der eigene Hund den “Glauben an das Gute” mal aus­baden muss, kauft man sich eben einen neuen. Tut es solchen Men­schen leid, wenn ein ander­er Hund ver­let­zt wird? Wohl kaum. Denen ist ja schon der eigene egal. Die wis­sen alles bess­er, fühlen sich immer im Recht und pöbeln dich noch an, wenn du dich beschw­erst, dass du dir ihren Hund vom Leib hal­ten musst, der schon bewiesen hat, dass er nicht nur spie­len will.

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