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[So meistern wir unangenehme Hundebegegnungen.]

Vor weni­gen Tagen habe ich auf Insta­gram in mein­er Sto­ry von ein­er Hun­de­begeg­nung erzählt. Damit alle, die diese Sto­ry nicht gese­hen haben, auch wis­sen, wovon ich gle­ich reden werde, fasse ich die Begeg­nung noch ein­mal kurz zusam­men:

Wir liefen ganz nor­mal unsere Aben­drunde und ich hat­te bei­de Hunde im Freilauf. Hin­ter uns lief eine Dame mit ihrem Hund und kam immer näher an uns her­an. Ich füh­le mich immer sehr unwohl, wenn Hun­debe­sitzer sich von hin­ten immer dichter näh­ern. Daher bin ich in einen anderen Weg einge­bo­gen und einen kleinen Bogen gelaufen. Am Ende des Bogens lief ich dieser Dame — wie soll es auch anders sein — direkt in die Arme. Obwohl ihr Hund humpelte und einen Ver­band am Hin­ter­fuß trug, ließ sie ihn ohne Leine humpel­nd durch die Gegend ren­nen. Es waren noch genug Meter übrig um die Dame zu bit­ten, ihren Hund zu sich zu rufen. Daraufhin kam ein Satz, den wir wohl alle ken­nen und wodurch sich ein Hun­debe­sitzer bei mir direkt dis­qual­i­fiziert: “Meine tut aber nix.” Ich bin an dieser Stelle schon so was von raus, sodass von mir nur kommt “Meine aber.”

Die Dame rief ihren Hund, leinte an und ging an uns vor­bei. Sie war noch keinen Meter von uns weg, da kon­nte sie sich fol­gende Worte in ein­er unerträglichen piep­si­gen Stimme nicht verkneifen “Komm mein Schatz. Die wollen nicht mit dir spie­len. Die sind böse.”

Ich ließ das unkom­men­tiert ste­hen, denn seien wir mal ehrlich: So langsam weiß man, wo Hopfen und Malz ver­loren ist. Meine Zeit und meine Ner­ven sind mir zu kost­bar, als dass ich mich mit ein­er dieser “Sor­g­los — Hun­de­mut­tis” auf eine Diskus­sion ein­lassen würde.

Zu mein­er Sto­ry erhielt ich viele Nachricht­en. Oft wurde ich gefragt, wie ich denn ganz grund­sät­zlich mit Hun­de­begeg­nun­gen umge­hen würde und was ich machen würde, wenn es sich nicht mehr ver­mei­den lässt, dass ein fremder Hund auf meine trifft.

Und genau das erzähle ich euch jetzt:

Vor­ab kann man sich vielle­icht die Frage stellen, warum ich meine Hunde nicht ein­fach laufen lasse und warum ich frem­den Hun­den eigentlich auswe­iche.

Dafür gibt es ver­schiedene Gründe, die ich euch kurz erzählen möchte, damit ihr meine Beweg­grün­den nachvol­lziehen kön­nt.

Zunächst ein­mal bin ich ganz grund­sät­zlich der Auf­fas­sung, dass man einen frem­den Hund niemals zu einem unbekan­nten Hund oder gar in ein fremdes Rudel laufen lassen sollte. Das gehört für mich zu einem respek­tvollen Umgang und zu der Achtung fremder Pri­vat­sphären ein­fach dazu. Ich als Men­sch entschei­de, ob es zu einem Kon­takt der Hunde kommt. Diese Entschei­dung trifft bei uns kein­er der Hunde. Bei­de bleiben bei mir und kön­nen auch unan­geleint an frem­den Hun­den vor­bei laufen. Kein­er hat den Drang zu frem­den Hun­den hinzu­laufen. Erst, wenn ich das ok gebe, dür­fen sie zu einem anderen Hund hin­laufen.

Wenn ein fremder Hund wild und stür­misch ist, hat Püp­pi damit ein Prob­lem. Sie bekommt Angst und einige Hunde sind der­art schlecht sozial­isiert und empfind­en das Ganze als Spiel, sodass sie ver­suchen, hin­ter Püp­pi hin­ter her zu ren­nen. Mich wun­dert es nicht, dass Queen hier auf­passt und sobald Püp­pi Angst bekommt, die kleine beschützt und dazwis­chen geht. Und sollte auch das nicht ver­standen wer­den, dann wird Queen auch schon ein­mal lauter. Zu schlecht sozial­isierten Hun­den gehört meist ein ahnungslos­er Hun­debe­sitzer, von dem ich mir an dieser Stelle nicht sel­ten anhören muss, dass Queen “ja ganz schön aggres­siv sei”.

Ob sie wohl “nur spie­len” will? 🙂

Dazu kommt, dass ich die Spaziergänge mit meinen Hun­den genießen möchte. Ich mag die Ruhe und ich würde eine Runde in völ­liger Stille niemals gegen ein Gespräch über Tier­schutzhunde, das richtige Fut­ter, Wurmkuren oder die Geschichte eines Hun­des aus schlechter Hal­tung ein­tauschen. Nicht, dass mich die The­men nicht inter­essieren wür­den, nur muss ich nicht mit jedem Hun­de­men­schen all das durchkauen. Wahrschein­lich auch, weil ich zu vie­len The­men eine eher untyp­is­che Mei­n­ung vertrete, die mir je nach Sturheit meines Gegenübers auch dur­chaus mal raus­rutschen kann. Ist vielle­icht nicht ger­ade har­monisch, wenn mein Gegenüber stolz erzählt, dass es zu der jährlichen Imp­fung direkt die Wurmkur gab und mir direkt die Frage raus rutscht, ob Bravec­to noch auf den Gift­cock­tail drauf kam oder ob es bei dieser Gift­mis­chung geblieben ist.

Was ich sagen will: ich genieße ein­fach gerne die Ruhe unter­wegs.

Ich gehe gerne dort, wo ich nie­man­den tre­ffe. Ich brauche das ein­fach nicht. Jet­zt mag man denken, ich sei ein Eigen­brödler — ist vielle­icht auch so. Ich habe in meinem All­t­ag Hek­tik und Stress genug, da bevorzuge ich auf den Spaziergän­gen entspan­nte Ruhe. Es gibt sich­er Hun­debe­sitzer, die den Kon­takt zu anderen suchen. Ich gehöre nicht dazu. Gezielte Kon­tak­te sind mir sowohl für mich als auch für meine Hunde tausend Mal lieber. Fast alle meine Fre­unde haben Hunde, die sich mit Queen und Püp­pi gut ver­ste­hen. Wir verabre­den uns zu gemein­samen Run­den und das langt mir völ­lig.

Nun wurde ich aber — wie oben schon erwäh­nt — oft gefragt, wie ich das den ganz konkret machen würde und wie ich reagiere, wenn es zu spät ist und der fremde Hund auf meine tre­f­fen wird.

Wenn wir einem frem­den Hund begeg­nen, kom­men Queen und Püp­pi zu mir. Das machen sie ganz von alleine, wenn sie den Hund erblick­en. Ich hoffe immer, dass der Hun­debe­sitzer dadurch dass die Hunde nah bei mir sind, merkt, dass ich keinen Kon­takt möchte und seinen Hund eben­falls zu sich ruft. Sollte dies nicht der Fall sein, dann bitte ich höflich darum, den Hund zu sich zu nehmen. Habe ich das Gefühl, dass ein unan­geleintes Passieren nicht möglich ist, dann bitte ich darum, dass der Hund angeleint wird. Manchen Hun­den sieht man bere­its an, dass es unan­geleint nicht klap­pen kann, daher gehe ich hier lieber auf Num­mer sich­er und bitte direkt ums Anleinen.

Ich leine Queen und Püp­pi an, wenn ich das Gefühl habe mein Gegenüber fühlt sich unwohl mit der Sit­u­a­tion. Ich weiß, die bei­den bleiben bei mir und wür­den nicht zu dem anderen hin­laufen, aber nicht sel­ten haben Hun­debe­sitzer bei Schäfer­hun­den Angst und wenn ich merke, dem­jeni­gen ist die Sit­u­a­tion nicht sich­er, dann leine ich an. Ich leine grund­sät­zlich auch an, wenn ich nicht weit genug auswe­ichen kann. Ich möchte sowohl meinen Hun­den als auch dem Ent­ge­genk­om­menden genug Raum bieten. Daher laufen wir — falls möglich — einen großen Bogen und weichen auch gerne ins Grüne aus. Sollte dies nicht möglich sein und sollte man auf­grund des Weges gezwun­gen sein, unmit­tel­bar aneinan­der vor­beizu­laufen, dann leine ich an. Ich möchte ein­fach nicht, dass sich jemand wegen uns unwohl fühlt und da ich selb­st möchte, dass meine Hunde genug Raum haben, möchte ich dies dem anderen Hund natür­lich genau­so bieten.

Nun kann es jedoch vorkom­men, dass doch mal ein fremder Hund auf uns  zu ger­an­nt kommt. Wenn Hun­debe­sitzer ihre Hunde stets ren­nen lassen — frei nach dem Mot­to “die regeln das schon unter sich”, dann bin ich ehrlich: da krieg ich die Krise. Hunde regeln die Sit­u­a­tion natür­lich unter sich, nur meist nicht mit dem Ergeb­nis, welch­es wir uns gewün­scht hät­ten. Daher bitte niemals einen Hund in andere Hunde rein­ren­nen lassen. Nun kann es aber auch sein, dass der Hund, der nor­maler­weise super hört, aus­nahm­sweise ein­fach mal durch­bren­nt und los­ren­nt. Hunde sind keine Robot­er, daher kann das natür­lich immer mal passieren. Ich denke wir alle kön­nen unter­schei­den, ob es sich um einen Hun­debe­sitzer han­delt, der die Sit­u­a­tion nor­maler­weise im Griff hat oder ob es sich um einen sor­glosen Hun­dem­schen han­delt, der seinen Hund ein­fach machen lässt. Und sollte es doch mal passieren, dass der Hund uner­wartet los ren­nt, dann kann man sich dafür entschuldigen.

Also wie genau regeln wir das?

Ich kann hier nicht für alle Hunde sprechen, weiß aber, dass sowohl Queen als auch Püp­pi defin­i­tiv bess­er mit der Sit­u­a­tion umge­hen kön­nen, wenn sie nicht an der Leine sind. Wenn man sie gar nicht anspricht und ein­fach laufen lässt, kann man beobacht­en, wie sie bei­de einen großen Bogen laufen und möglichst viel Abstand zu dem anderen Hund hal­ten. Sind sie angeleint und kön­nen im Zweifel nicht auswe­ichen, sind sie deut­lich unruhiger und nervös­er. Sollte es sich also wirk­lich nicht ver­mei­den lassen und ist abse­hbar, dass der fremde Hund gle­ich vor uns ste­ht, dann leine ich ab. Queen und Püp­pi ord­nen sich meist hin­ter mir ein. Soll­ten sie dies nicht automa­tisch tun, stelle ich mich vor sie hin und ver­suche zu ver­hin­dern, dass der fremde Hund zu uns kommt. Das klappt manch­mal bere­its durch selb­st­be­wusste ener­gis­che Schritte. Manch­mal, wenn ich das Gefühl habe, es kön­nte unan­genehm wer­den, dann rufe ich plöt­zlich und sehr ener­gisch “Stop”. Viele Hunde lassen sich davon beein­druck­en und bleiben ste­hen. Dies ver­schafft Zeit, in der der Hund vielle­icht von seinem Hal­ter einge­fan­gen wer­den kann. Sollte der Hund mich ignori­eren und zu Queen und Püp­pi hin­laufen, ver­suche ich abzuschir­men.

Bei uns beste­ht das Prob­lem, dass Püp­pi vor wilden, großen frem­den Hun­den unter Umstän­den Angst bekom­men kann. Nicht vor allen, aber wenn sie wirk­lich wild sind und auf sie zus­prin­gen, dann will sie auswe­ichen. Kann sie dies nicht oder ver­fol­gt oder jagd der fremde Hund sie vielle­icht sog­ar, bekommt sie Angst. Das merkt Queen direkt, die bei jed­er Hun­de­begeg­nung ein Auge auf Püp­pi hat. Sollte ein fremder Hund auf Püp­pi zustür­men oder sie ver­fol­gen, ver­sucht Queen dies zu ver­hin­dern, in dem sie den anderen Hund begren­zt. Sollte er dies ignori­eren und an Queen vor­bei weit­er hin­ter Püp­pi her laufen, dann wird Queen ungemütlich. Sie hat noch nie einen Hund ver­let­zt, aber je hart­näck­iger der fremde Hund Püp­pi ver­fol­gt, umso rup­piger wird Queen. Die meis­ten ver­ste­hen es spätestens nach einem tiefen Brum­men. Sollte dies nicht so sein, endet das ganze mit einem laut­en Bellen ver­bun­den mit einem dro­hen­den Schnap­pen in die Luft.

Solche Sit­u­a­tio­nen kön­nen eskalieren und ich ver­suche ihnen aus dem Weg zu gehen. Im Großen und Ganzen klappt das auch sehr gut, doch lei­der lassen sich diese Sit­u­a­tio­nen nie zu 100% ver­mei­den. Es gibt lei­der zahllose sor­glose, naive und rück­sicht­slose Hun­debe­sitzer, die einem das Leben schw­er machen kön­nen. Gott sei Dank holen die meis­ten ihre Hunde zu sich, wenn sie sehen, dass ein Schäfer­hund ran gerufen wird. Viele leinen auch an. Daher sind die meis­ten Begeg­nun­gen für uns völ­lig in Ord­nung. Prob­leme bere­it­en die wilden, schlecht sozial­isierten Hunde, die in uns hinein ren­nen und Püp­pi Angst machen.

Wie regelt ihr Hun­de­begeg­nun­gen, wenn ihr das Gefühl habt, es kön­nte ungemütlich wer­den? Schreibt mir gerne einen Kom­men­tar unter diesen Artikel. Vielle­icht habt ihr ja auch einen Blog? Dann schreibt doch gerne dort einen Artikel zu diesem The­ma und ver­linkt uns. Über dieses The­ma kann man nie genug aufk­lären und wenn nur ein­er dieser “Der will nur mal Hal­lo sagen — Hun­debe­sitzer” unsere Artikel zu diesem The­ma liest und vielle­icht das näch­ste Mal etwas mehr Rück­sicht nimmt, dann ist das doch schon ein Erfolg. In diesem Sinne wün­schen wir euch hof­fentlich nur entspan­nte Hun­de­begeg­nun­gen voller gegen­seit­igem Respekt und gegen­seit­iger Rück­sicht­nahme <3

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1 thought on “[So meistern wir unangenehme Hundebegegnungen.]

  1. Mein Hund möchte meist zu dem anderen Hund hin. Erlauben tue ich ihr das nur, wenn ich den anderen Hund kenne oder ein­deutig als fre­undlich ein­stufen kann. Sofern der andere Hun­de­hal­ter nicht sig­nal­isiert, dass er keinen Kon­takt will, lasse ich sie mit dem anderen Hund spie­len. Nur ohne Leine, ver­ste­ht sich, weil ich Kon­tak­te an der Leine eigentlich nie gut finde. Feste Hun­de­fre­unde, mit denen wir uns absichtlich tre­f­fen, gibt es lei­der nicht, weil die meis­ten Hal­ter der “passenden” Hunde meinem Ein­druck nach lieber ihre Ruhe haben und mein Hund dann eben auf Zufall­skon­tak­te angewiesen ist, um über­haupt Hun­dekon­takt zu haben.

    Wenn ich das Gefühl habe, es kön­nte ungemütlich wer­den, ver­suche ich natür­lich irgend­wie, den Kon­takt zu ver­mei­den oder bitte den anderen Hun­de­hal­ter, anzuleinen. Lei­der haben wir hier sehr viele sor­glose Flex­ileinen­nutzer oder Leute, die wed­er Deutsch noch Englisch sprechen und daher gar nicht ver­ste­hen, was ich meine. Ein Spazier­gang mit “Pri­vat­sphäre” ist sowieso echter Luxus, denn ich werde ständig unter­wegs ange­sprochen und erhalte Kom­mentare zum Hund. Oft ist das nett und ich unter­halte mich gerne ein Weilchen, manch­mal ist es aber auch sehr plump und auf­dringlich.

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