[Vorbei war es noch lange nicht.]

Vor Kurzem habe ich ein Update zu Queen ver­fasst — in der Hoff­nung, dass es sich um den let­zten Artikel zu diesem The­ma han­deln würde. Wie sehr ich mich doch geir­rt habe…

Wer uns auf Face­book oder Insta­gram fol­gt, hat es vielle­icht schon im Groben ver­fol­gt. Den­noch möchte ich gerne diesen Artikel nutzen, um euch auf den aktuellen Stand zu brin­gen und die Geschehnisse der let­zten Woche zusam­men zu fassen.

Wer noch ein­mal nach­le­sen möchte, wie alles begann, der find­et HIER und HIER die ersten bei­den Artikel.

Im Jan­u­ar wur­den Queen drei Knubbel am Gesäuge ent­fer­nt. Lei­der kon­nten wir bei dieser Oper­a­tion nicht gle­ich kas­tri­eren lassen, weil sie läu­fig gewe­sen ist. Die Ärztin schätze die Wahrschein­lich, dass sich wieder Knubbel bilden kön­nten bei 50 — 50 ein. Der hor­monelle Ein­fluss kön­nte für die ersten Knubbel ver­ant­wortlich gewe­sen sein und da dieser noch nicht been­det wer­den kon­nte, war die Option, dass sich wieder etwas bilden kön­nte, nach wie vor im Raum. Ich hat­te die ganze Zeit über ein komis­ches Gefühl. Das The­ma ließ mich nicht so richtig los und irgend­wie spürte ich, dass es noch nicht vor­bei war. Beina­he täglich tastete ich ihr Gesäuge ab. An einem Son­ntag mor­gen fühlte ich, dass sich wieder etwas gebildet hat­te. Ich wusste genau, was das bedeuten würde und machte einen Ter­min in der Klinik aus. Mittwoch mor­gen musste ich Olaf ein­schläfern lassen und mit genau diesem Kloß im Hals fuhr ich mit­tags in die Klinik. Die Ärztin fühlte direkt, was ich meinte und ver­an­lasste einen Ultra­schall. Alle Organe sahen gut aus, doch die Eier­stöcke saßen voller Zys­ten. Dieser Umstand und noch einige Argu­mente mehr sprechen dafür, dass sich auf­grund hor­moneller Ungle­ichgewichte die Knubbel am Gesäuge gebildet hat­ten und so war ich schon fast erle­ichtert über die Zys­ten, weil irgend­wie das Bild zueinan­der passte.

Fre­itag mor­gen wurde sie operiert. “So radikal wie nur möglich” ließ ich ver­merken und so wurde Gebär­mut­ter, Eier­stöcke und der Rest der Gesäugeleis­ten (bis auf einen kleinen Kom­plex ganz vorne links mit nahezu keinem Gewebe) ent­fer­nt. Die Ärztin erk­lärte mir, dass das eine unglaublich große Oper­a­tion sein würde, doch ich dachte nur “endlich alles raus”. Erst am Fre­itag Abend kon­nte ich mit der Ärztin sprechen. Queen war an dem Tag die let­zte und das tat mir unendlich leid für sie. Es fiel ihr ohne­hin nicht leicht, dort zu bleiben und ich hätte mir gewün­scht, dass sie möglichst schnell narko­tisiert wird. Die Ärztin erk­läre mir am Tele­fon, dass bis auf dieses winzige Stück vorne links qua­si alles ent­nom­men wurde, also sowohl auf der linken als auch auf der recht­en Seite die verblieben Gesäugeleis­ten. Queen habe Streifen auf der Haut kleben, die die Narbe ent­las­ten sollen und daher würde sie dazu rat­en, Queen fünf Tage in der Klinik zu lassen. Für mich gar keine Option, da ich weiß, wie sehr die Maus ein­fach nur in ihr eigenes Kör­bchen möchte und so holte ich sie abends auf eigene Ver­ant­wor­tung um 20 Uhr ab. Draußen warteten mehrere Besitzer auf ihre Hunde. Die Tür ging auf und ich hörte nur “Langsam, langsam.” Da wusste ich: Queen kommt. Ich wusste nicht, in welchem Zus­tand sie sich befand, daher war ich erstaunt zu sehen, wie sie die Arzthelferin hin­ter sich her zog. Sie freute sich uns zu sehen, doch wollte nur ins Auto und los. Die Wunde sah extrem aus. Sie ging ein­mal kom­plett am Bauch bis ganz hin­ten ent­lang und vor meinem geisti­gen Auge sah ich sie weit aufgeklappt auf dem Oper­a­tionstisch liegen. Eine grausame Vorstel­lung, die ich schnell bei­seite schob. Die Streifen auf der Haut nahm ich wahr, wollte aber genau wie Queen ein­fach nur nach Hause.

Queen ging es erstaunlich gut. Sie wirk­te sog­ar fit­ter als nach der ersten Oper­a­tion und so wurde schnell klar, dass es ein Prob­lem wer­den kön­nte, sie ruhig zu hal­ten. Das Woch­enende ver­lief ruhig und am Mon­tag fuhren wir zur Kon­trolle in die Klinik.

Die Streifen kon­nten ent­fer­nt wer­den. Im ersten Moment war ich erle­ichtert, wusste noch nicht, dass Queen gle­ich durch die Hölle gehen würde. Die Ärztin nahm etwas Alko­hol zur Hand und ent­fer­nte den ersten Streifen. Queen jaulte nicht, sie zuck­te noch nicht ein­mal, doch in ihren Augen sah ich, dass sie Schmerzen hat­te. In diesem Moment erfuhr ich, dass die Streifen mit Sekun­den­kle­ber auf die rasierte Haut gek­lebt wor­den sind. Über jedes Detail wird man aufgek­lärt, aber dies hat man aus­ge­lassen. Die Ärztin war wahnsin­nig lieb und ein­fühlsam und auch ihr tat es in der Seele weh. Sie ver­suchte sich zu erk­lären, dass die Chirur­gen impro­visieren müssten, gab aber auch zu, dass jedes Mal ihr Herz bluten würde und sie sich wün­scht, dass die Chirur­gen das nur ein­mal selb­st ent­fer­nen müssten. Ich war sprach­los und bin es heute noch. Es ist mir ein Rät­sel, warum da kein Kle­ber ver­wen­det wird, den man mit einem Lösungsmit­tel ent­fer­nen kann oder was auch immer. Alles ist bess­er als Sekun­den­kle­ber auf der Haut. Queen tat mir so leid. Wenn ich heute an diesen Ter­min zurück denke, dann füh­le ich immer noch wie gelähmt ich in diesem Moment gewe­sen bin. Zehn Streifen mussten ent­fer­nt wer­den. Wer das nicht sehen kann, sollte nun etwas weit­er scrollen, da nun ein Foto fol­gt.

Dank ein­er Honigsalbe sah die Haut sehr schnell deut­lich bess­er aus, den­noch sitzt uns das noch tief in den Knochen. In den fol­gen­den zwei Wochen mussten wir noch mehrmals in die Klinik. Zur Kon­trolle der Haut und der Oper­a­tionsnarbe. Zudem hat­te sich etwas Luft gebildet, die kon­trol­liert wer­den musste, sich aber Gott sei Dank schnell zurück gebildet hat­te. Nach sechs Tagen war endlich der pathol­o­gis­che Befund da. Gott sei Dank wur­den in den Knubbeln, Lym­ph­knoten und allem anderen, was “aus­ge­baut” wurde, keine Tumorzellen gefun­den.

Drei Kon­troll­ter­mine hat­ten wir nach der Oper­a­tion, doch dabei blieb es nicht…

An einem Son­ntag mor­gen tastete ich die Narbe ab und es fühlte sich knubbe­lig an. An der Narbe fühlte ich kleine runde Knoten. Ich geri­et direkt in Panik und damit meine ich Panik. Schweißaus­brüche, Übergeben und Heulan­fälle — alles gemis­cht und durcheinan­der. Genau in diesem Zus­tand rief ich in der Klinik an. Dort wollte man mir erk­lären, dass Queen kein Not­fall sei, doch de Dame am Tele­fon war schnell klar, dass ich zu einem wer­den würde, wenn man mich nicht kom­men ließ. Schon eine Stunde später saß ich in der Klinik.

Durch Zufall hat­te die Ärztin Dienst, die mich ab dem Moment, in dem die zweit­en Knubbel gefun­den wur­den, betreute. Sie fragte mich direkt, was ich denn hier machen würde und völ­lig panisch erk­lärte ich ihr, dass ich wieder Knubbel gefun­den habe. Sie fühlte und erk­lärte mir, dass das kein Tumor sein kann, weil da keine Gesäugeleiste mehr sei und genau dort drei Nar­ben aufeinan­der tre­f­fen wür­den. Dort sei inner­lich vernäht wor­den. Ich fragte, ob sie sich sich­er sei und ob man da nicht einen Ultra­schall machen kön­nte. Man könne nur 100%ig sich­er sein, wenn man es auf­machen würde. Na super. Sie ver­suchte mich zu beruhi­gen, doch ich fühlte mich nicht schlauer als vorher. Ich emp­fand mich selb­st schon als anstren­gend und hat­te nicht die ger­ing­ste Ahnung, was dann wohl erst die Ärztin von mir denken sollte. Ich entschuldigte mich, ver­suchte mich zu erk­lären. Sie nahm mich und die Sit­u­a­tion mit Humor und gab mir mit einem fre­undlichen Augen­zwinker den Rat, Baldri­an zu besor­gen. Aus Spaß sagte sie “Wenn es Sie beruhigt, dann kom­men Sie halt in zwei Wochen wieder.” Sie ahnte wohl nicht, dass ich den lustig gemein­ten Scherz Ernst nehmen würde.

Ihr hät­tet ihr Gesicht sehen sollen, als ich zwei Wochen später im Warte­bere­ich saß. Sie schaute auf ihren Zettel und sagte in die Runde “Für Queen bitte”, sah mich an und lachte. “Was machen Sie denn hier?” Ich erk­lärte ihr, dass Sie mir das doch vorgeschla­gen habe. “Aber das war doch nicht ernst gemeint.” Da ken­nt sie mich aber schlecht 🙂

Sie tastete Queen ab und sagte direkt “Na die Knubbel sind ja so gut wie weg.” “Ja ich weiß.” “Und was machen Sie dann hier?”
Erstens wollte ich es von ihr hören und zweit­ens hat­te ich da schon wieder etwas ent­deckt. Ja, ihr lacht nun wahrschein­lich. Ich tue es auch ger­ade. Mit­tler­weile. Damals fand ich es gar nicht lustig.

Ich zeigte ihr einen kleinen run­den Punkt. “Ein Pick­elchen” sagte sie. Ich wollte wis­sen, was das ist und warum das direkt an der Narbe ist. “Das kann von der Rasur kom­men oder ein­fach von unter­wegs, weil sie dort ja ger­ade kein schützen­des Fell hat.” Ich war beruhigt, doch kam nicht umher ihr lachend zu bericht­en, dass ich kurz sich­er gewe­sen sei, einen Mastzel­len­tu­mor ent­deckt zu haben, der ihr da aus der Narbe wach­sen würde. Sie lachte nur und dachte, ich würde scherzen. Hätte sie mich gese­hen, als ich das Teil das erste Mal gese­hen hab, hätte sie mich wahrschein­lich ein­weisen lassen.

Lange Rede, kurz­er Sinn: Sowohl die Knubbel unter der Narbe als auch der Pick­el sind mit­tler­weile weg. Und mit ihnen auch ein Großteil mein­er Sor­gen. Bis zu diesem Moment endete alles, was ich da irgend­wie gefühlt habe, in ein­er Oper­a­tion und mein Gehirn spielte mir ein­fach tausend Stre­iche. Ich war mir wirk­lich sich­er, dass es wieder etwas Schreck­lich­es sein würde. Heute bin sehr erle­ichtert, dass das nicht der Fall ist.

Nun liegt die Oper­a­tion schon sechs Wochen hin­ter uns und ich kann sagen, Queen ging es noch nie bess­er. Sie ist fit, gut drauf und für jeden Quatsch zu haben. Vor Kurzem wurde sie auf 2 Jahre geschätzt 😀

Wer weiß, wofür es gut sein soll.“
Wir alle ken­nen diese Reden­sart und mich begleit­et sie schon viele Jahre. Ich ver­suche alles nach diesem Mot­to wahrzunehmen und ver­suche auf diese Weise immer etwas Pos­i­tives aus alles ziehen zu kön­nen. In der Sit­u­a­tion mit Queen war ich mir sich­er, dass ich mich nicht an dieses Sprich­wort klam­men kön­nte. Dieses Mal nicht. Was bitte soll man schon Gutes aus diesem Haufen voller Schmerz, Angst, Kum­mer und Verzwei­flung ziehen?

Doch heute mit etwas Abstand habe ich zu mir und meinem Spruch zurück gefun­den. Es gibt etwas, wofür all das gut gewe­sen ist und während ich bei allen Sätzen, die dieser Artikel bis hier­hin enthält, ein kleines Lächeln über mich selb­st im Gesicht hat­te, so kom­men mir die Trä­nen bei dem näch­sten Abschnitt:

All der Schmerz, all die Sor­gen und all die erdrück­enden Äng­ste sind für etwas gut gewe­sen. Queen kann wieder Hund sein. All die Jahre habe ich ihre Wehwe­hchen mit den Gelenken (mehr als Wehwe­hchen waren es ja eigentlich gar nicht) so ernst genom­men, dass ich sie am laufend­en Band eingeschränkt habe. Sie durfte zwar toben, aber nur kurz. Durfte Ball spie­len, aber nicht zu lange. All ihre Bewe­gun­gen habe ich voller Sor­gen beobachtet. Nicht nur das Aus­brem­sen, son­dern vor allem meine Unsicher­heit und Äng­ste haben sich auf Queen über­tra­gen und sie eingeschüchtert. Als die Sor­gen nach der zweit­en Oper­a­tion abfie­len, fie­len alle Sor­gen ab. Auch die mir heute sowieso so klein vork­om­menden Äng­ste zu ihren Gelenken und wir fin­gen an, unser Leben zu genießen. Ich lasse sie ren­nen so lange sie will, toben wenn sie möchte und bud­deln bis sie auf dem Grund ankommt. Wir lachen viel und Queen wird ger­ade ein ander­er Hund.

Es tut so weh, da ich mir heute darüber bewusst bin, wie sehr ich sie mit meinen Sor­gen und Äng­sten angesteckt habe. Sie hat es immer gespürt, wusste wahrschein­lich gar nicht, was los ist. Sie ist heute so lebens­froh und macht so viel Quatsch. Dabei hat sie dieses weit aufgeris­sene Spiel­gesicht und sieht aus, als würde sie lächeln.

Wer weiß, wofür es gut ist.“
Heute weiß ich, wofür <3

(Vis­it­ed 74 times, 1 vis­its today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.